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Olafur Eliasson: Beauty, 1993 (Minding
the World, ARoS Aarhus Kunstmuseum,
2004) Fotografie: Poul Pedersen, 2004
Leitung
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Heike Föll, M.A. / Fiona McGovern, M.A.
Studentische Hilfskräfte
Georgios Binos / Johannes Lang
Projektbeschreibung
Seit den Anfängen der Ästhetik wurde Kunst als eine Form der „sinnlichen Erkenntnis“ (Baumgarten) betrachtet. Die zunehmende Verwissenschaftlichung der Kunst und die parallele Ästhetisierung der Wissenschaften fordern zu einer Neuverhandlung dieses Topos auf. Mit Blick auf konkrete Transfers zwischen Kunst und Wissenschaft möchte das Teilprojekt zu einer Differenzierung epistemischer und ästhetischer Erkenntnisformen gelangen: Dabei geht es zum einen um die Reflexion der wissenschaftlichen Debatten zur Farblehre (Newton) in der Druckgraphik des 18. und frühen 19. Jahrhunderts (Unterprojekt 1), zum anderen um die Entgrenzung zwischen Kunst und Wissenschaft in der Kunst nach 1960 (Unterprojekt 2). Angesichts der derzeitigen Konjunktur des Bildes in der Geschichte des Wissens bzw. der Wissenschaften und der Aufwertung visueller Kompetenz unter dem Zeichen des iconic turn möchte das Teilprojekt einen Beitrag zur genaueren Qualifizierung ästhetischer Erkenntnisformen leisten.
Unterprojekt 1: Verfeinerung des Sehens und fortschreitende Abstraktion
(bearbeitet von Prof. Dr. Werner Busch)
Im 18. Jahrhundert ist ein extremer Prozess der Verfeinerung des Sehens zu konstatieren. Einerseits haben daran Newtons „Opticks“ (1704) Anteil, ihre Popularisierung in einer Fülle von Traktaten, aber auch auf Newton aufbauende Traktate zu „Optik und Farbe“ (z.B. Joseph Priestley, The History and Present State of Discoveries relating to Vision, Light and Colours, 1772). Andererseits beeinflusst die Entwicklung neuer künstlerischer Verfahren – vor allem graphischer Techniken – das Sehen. Die Frage des Unterprojektes lautet: Inwieweit bietet diese wissenschaftlich-technische Ausdifferenzierung zugleich eine Verfeinerung der ästhetischen Erfahrung? Ausgelotet wird dies vorrangig in der graphischen Technik des Mezzotinto. Andere im 18. Jahrhundert ausdrücklich zu Zwecken der Reproduktion erfundene graphische Techniken (Crayonmanier, Aquatinta, Stipple etc.) erhöhen die Anforderungen an die Wahrnehmungskompetenz zusätzlich. Im Zentrum der Analysen sollen die druckgraphischen Reproduktionen nach den Werken von Constable und Turner stehen.
Unterprojekt 2: Ästhetische Erfahrung zwischen Kunst und Wissenschaft
(bearbeitet von Heike Föll, M.A. und Fiona McGovern, M.A.)
Seit der Konzeptkunst haben die Grenzen zwischen künstlerischen und wissenschaftlichen Verfahren eine besondere Aufmerksamkeit erfahren. Angefangen von Mel Bochners Ausstellung „Working Drawings and other Visible Things on Paper not necessarily meant to be Viewed as Art“ (1966) bis hin zu Olafur Eliassons Reinszenierungen optischer Experimente haben Künstler immer wieder ästhetische Ausdrucksformen auf ihre Bezüge zu wissenschaftlichen Verfahren befragt. Angesichts dieser Übernahmen wissenschaftlicher Darstellungsweisen und Versuchsanordnungen in die künstlerische Produktion stellt sich die Frage nach einer Differenzierung ästhetischer und epistemischer Prozesse in zugespitzter Weise. Das Unterprojekt verfolgt die Transformationen des Ästhetischen an der Schwelle zur Wissenschaft, welche sich mit der Entgrenzung der Kunst nach 1960 vollziehen.