Sonderforschungsbereich 626 - Ästhetische Erfahrung im Zeichen der Entgrenzung der Künste


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Home » Forschungsprojekte » Teilprojekt A3



 

a3

Bruce Nauman: The True Artist Helps the World by
Revealing Mystic Truths (Window or Wall Sign), 1967

 

Leitung

Dr. Michael Lüthy

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Bernhard Schieder, M.A.

Studentische Hilfskräfte

Lotte Everts / Maren Wienigk

 

Projektbeschreibung

Das Kunstwerk als Vermittlung von Subjektivität und Medialität

Das Teilprojekt untersucht die Veränderung ästhetischer Erfahrung durch die Wendung zum Prozessualen, die sich in der bildenden Kunst seit dem Beginn der Moderne ereignet. Als Leitbegriffe dienen ‚Subjekt‘ und ‚Medium‘ als die beiden Pole, die während der Werkentstehung in eine dynamische Austauschbeziehung treten. Das Kunstwerk ist, so die Ausgangsthese, eine in Form gesetzte Vermittlung von Subjektivität und Medialität. Dieser Vermittlung, die sich im Augenblick der Werkentstehung vollzieht, steht die Vermittlung von Werk und Betrachter im Augenblick der Kunsterfahrung gegenüber. Die Pointe des im Teilprojekt verfolgten prozessästhetischen Ansatzes besteht darin, diese beiden Vermittlungen wiederum als aufeinander bezogen aufzufassen. Während der Rezeptionsprozess beim „offenen Kunstwerk“ der Moderne (Umberto Eco) konstitutiv für die Bedeutungsstiftung des Werkes wird, werden Kunstwerke unter autonomieästhetischen Bedingungen immer ausschließlicher zu dem Zweck produziert, vom Betrachter ästhetisch erfahren zu werden, wobei ein wesentliches Element dieser Erfahrung eben jene Prozessualität des Hervorbringens ist, deren Sedimente das Werk ausstellt.

Selbstreflexivität der Kunst – 19. Jahrhundert

In der ersten Förderperiode (2003-2006) lag der Forschungsschwerpunkt des Teilprojekts auf dem 19. Jahrhundert. Die untersuchten Werkkomplexe entstanden im Zeichen des radikalen Aufbrechens der sozialen, kulturellen und metaphysischen Referenzrahmen der Kunst und der infolgedessen einsetzenden Neufundierung künstlerischer Praxis. Diese vollzog sich durch die Etablierung der Figur des autonomen Künstlers, der sich gegenüber der Gesellschaft zu situieren hatte, sowie des autonomen Kunstwerks, das den Anspruch stellte, seinen Wert allein aus sich selbst zu schöpfen. Eine der Folgen war eine reflexive Rückwendung auf die Selbst- und Weltwahrnehmung des Künstlers sowie auf die Potenziale der eingesetzten Darstellungsmedien. Die Dynamik moderner künstlerischer Selbstreflexion tritt folglich, so die Ausgangsthese des Teilprojekts, besonders deutlich hervor, wenn die Wechselbeziehung zwischen Subjekt und Medium in den Blick genommen wird. Beide stehen, so lautet die These weiter, in einem bald metonymischen, bald metaphorischen Verhältnis füreinander ein. Sie verbinden sich im „Akt“ (Paul Valéry), dem das Kunstwerk seine Entstehung verdankt und der analog zum literaturwissenschaftlichen Konzept der ‚écriture‘ begriffen werden kann, das heißt als Hervorbringung, die sich an der Nahtstelle von Medium und schreibendem bzw. sich schreibendem Subjekt sowie an der Grenze zwischen Materialität und Immaterialität ansiedelt.

Entgrenzung der künstlerischen Praxis – 20. Jahrhundert

In der zweiten Förderperiode (2007-2010) gilt die Aufmerksamkeit dem 20. Jahrhundert, insbesondere der Zeit nach 1960. Hinsichtlich der in diesem Jahrhundert entstehenden Kunst ist zu beurteilen, welche Folgen die vom SFB als zentral eingeschätzten Entwicklungen – die Entgrenzung der Kunst und des Ästhetischen sowie die Hybridisierung der Künste insbesondere seit der Neo-Avantgarde der 1960er Jahre – für diesen Analyseansatz haben. Besonders zwei Aspekte sollen thematisiert werden:

 

Unterprojekt Robert Rauschenberg

(bearbeitet von Bernhard Schieder, M.A.)

Im Rahmen des Teilprojekts entwickelt der Wissenschaftliche Mitarbeiter eine Dissertation über Robert Rauschenberg. Den Ausgangspunkt bilden Rauschenbergs Siebdruckarbeiten der frühen 1960er, anhand derer sich der Übergang vom Künstler als Bildschöpfer zum Künstler als ‚Bild-Verarbeiter‘ analysieren lässt. Dieser Übergang wird unter drei Perspektiven untersucht: (a) des lebensphilosophischen Hintergrundes, welcher die Neumodellierung künstlerischen Handelns zwischen Rezeptivität und Produktivität abzusichern scheint; (b) der Bildtheorie, die Rauschenbergs neuartigen Bildformen angemessen erscheint; sowie (c) der umstrittenen Frage nach der affirmativen oder aber kritischen Dimension von Rauschenbergs Kunst. Als spezifischer Untersuchungsgegenstand innerhalb des Teilprojekts eignet sich Rauschenberg deshalb gut, weil er durch seine Aktivitäten als Maler, Bildhauer, Performer, Tänzer und Bühnenbildner jene zu analysierende „art at large“ idealtypisch zu verkörpern scheint und zugleich sein bildnerisches Werk durch den Einbezug nicht-künstlerischer Materialien exemplarisch für die Entgrenzung der malerischen bzw. bildhauerischen ‚métiers’ steht.


 

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Stand: 01.09.2009

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