Sonderforschungsbereich 626 - Ästhetische Erfahrung im Zeichen der Entgrenzung der Künste


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Home » Forschungsprojekte » Teilprojekt A4



 

a4

Ilja Zdanevič: Titelgraphik zu Igor’ Terent’evs
'Fakt', Tiflis 1919

 

Leitung

Prof. Dr. Georg Witte

Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen

Dr. Anke Hennig / Dr. Brigitte Obermayr

Studentische Hilfskräfte

Anna Sophia Dlugosch / Erika Nagler / Antonia Stötzler

 

Projektbeschreibung

Verneinung und Neubegründung ästhetischer Erfahrung

In seiner ersten Phase untersuchte unser Projekt die Programmatiken avantgardistischer „Gegenstandslosigkeit“, wobei es bereits hier um die Frage ging, wie in den ikonoklastischen Gesten der Kunstverneinung ästhetische Erfahrung einerseits als vermeintlich ‚unwirklicher’ Erfahrungsmodus abgetan, andererseits aber in fundamentalistischer Weise neu begründet wird (etwa in den Phänomenen der „fRaktur“ oder in der Wiederbelebung der Dinge im Konstruktivismus). Vor diesem Hintergrund konzentrieren wir unsere weiteren Forschungen nun auf das Phänomen der FIKTIONSSKEPSIS, in der ein antimimetischer Grundimpuls zugleich die Verneinung und Neubegründung ästhetischer Erfahrung motiviert, die jenseits künstlerischer Repräsentation in einer faktographischen Praxis gesucht wird.

Der Antimimetismus der Avantgarde zwischen Formalismus und Verismus

Der gegen Mimesis gerichtete Affekt der Avantgarde manifestiert sich in zwei gegenläufigen Strömungen. Zum einen verfremdet und entblößt ein radikaler Formalismus jegliche Nachahmung in ihrer Gemachtheit. Auf der anderen Seite fordert ein Verismus die Durchbrechung der Grenze zwischen der Wirklichkeit und ihrer Repräsentation. Während der Formalismus an der Autonomie der Kunst und einer Differenzqualität der ästhetischen Erfahrung interessiert ist, bestreitet  der Verismus, dass mit und in der Kunst überhaupt Erfahrungen zu machen sind. Selbst engagierte Kunst erscheint hier nur als ein Abklatsch absoluter Erfahrung der „Gegenwart“ oder des „Lebens“.

Die Grenzfigur des Fiktionsverdachtes

Das Titelstichwort vom Fiktionsverdacht verstehen wir in doppelter Weise. Zum einen meinen wir damit den Verdacht und die Diskreditierung, denen die Fiktion ausgesetzt ist. In theoretischer Hinsicht wollen wir damit aber auch eine lokalisierende oder antizipierende Qualität in den antifiktionalen Diskursen unterstellen, in denen ex negativo eine Unhintergehbarkeit der Fiktion durchscheint.

Insbesondere aus einer Rhetorik der Unbedingtheit heraus, wie sie in den faktizistischen Diskursen gepflegt wird, konturiert sich  dieser ‚Fiktionsverdacht’. Die beiden Unterprojekte widmen sich zentralen Topoi einer solchen ästhetischen Konstellation:  Der „Gegenwart“ (UP 1) und dem „Leben“ (UP 2).

 

Unterprojekt 1: Ästhetik des Präsens zwischen Geschichte und Fiktion.
Am Beispiel der russischen Filmavantgarde

(bearbeitet von Dr. Anke Hennig)

Das emphatische „Hier und Jetzt“ einer erfahrenen Gegenwart erweist sich als Streitwert, den sowohl Dokument als auch Fiktion in Anspruch nehmen. Die Untersuchung wird entlang der historischen Begriffsbildung von Dokument und Fiktion geführt, in der das ‚Ereignis’ zugleich als Gegenstand der Geschichte und als Kategorie der ästhetischen Erfahrung erscheint. Während sich das Dokument aus einem ontologischen Primat der Gegenwart heraus begründet, verkörpert sich die ‚unwirkliche’ Erfahrungsqualität der anderen Zeiten in der Fiktion. Aus diesem Zusammenhang ist ein weiterreichendes Konzept von „Gegenwart“ als Kategorie ästhetischer Erfahrung zu entwickeln.

Untersuchungsfelder

 

Unterprojekt 2: Leben als Referenz.
Faktizistisches Schreiben in der russischen literarischen Avantgarde

(bearbeitet von Dr. Brigitte Obermayr und Prof. Dr. Georg Witte)

In ‚faktizistischen’ Programmen des Antifiktionalen („Literatur des Faktums“) wird ein Unbedingtheitsdiskurs des (Menschen-)Lebens zu einem Garanten für das Faktische. Dabei erfährt diese, kunsthistorisch keineswegs neue Referenz des „Lebens“ eine entscheidende Zuspitzung. Galt etwa für den klassischen Realismus die Formel, die Kunst habe wie das Leben zu sein, so stellt das Lebenspostulat nun die Kunst als Repräsentationsform grundsätzlich in Frage.

Im Unterprojekt werden die Paradoxien und Kontingenzen solcher Programmatiken u.a. durch eine Analyse fiktionaler Implikationen des biographischen Schreibens untersucht.

Untersuchungsfelder


 

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Stand: 19.10.2008

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