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Fitzgerald Kusz: Papiercollage, in: Wunsch-
konzert. Du hast Hand und Fuss, was willst
du mehr? Gersthofen: Maro-Verlag 1971,
ohne Paginierung
Leitung
Wissenschaftliche Mitarbeiter
Rainer Falk, M.A. / Dr. Dirck Linck
Studentische Hilfskräfte
Reinhard Möller / Rina Schmeller
Projektbeschreibung
Thema des Teilprojekts sind die kunstkritische Thematisierung ästhetischer Erfahrung im Medium der Künste, die resignative Behauptung ihrer Einbuße und Versuche des Wiedergewinns in verschieden definierten Grenzbereichen. Die Unterprojekte widmen sich dieser Figur unter zwei unterschiedlichen Aspekten: der ambivalenten Konstitution des Gegenstandes von Literaturwissenschaft in der Editionsphilologie und der Kunstdemontage und Neubegründung ästhetischer Semiose in instabilen Grenzbereichen zwischen Kunst und Antikunst (Pop).
Unterprojekt 1: Ästhetische Erfahrung und Editionsphilologie
(bearbeitet von Rainer Falk, M.A.)
In der zweiten Bewilligungsphase richtet das Unterprojekt seinen Blick auf alle Fachdisziplinen, in denen editorische Praktiken zur Anwendung kommen. Für dieses Vorhaben ist der durch die Philologien geprägte Begriff der Edition erweiterungsbedürftig. Außer dem konventionellen Edieren von Texten gilt die Aufmerksamkeit nunmehr auch vergleichbaren Verfahren, etwa der choreographischen Notation oder der graphischen Transkription elektronischer Musik.
Veranlasst ist diese Begriffserweiterung durch den Befund eines gravierenden Mangels an Reflexion seitens der traditionellen Editorik über die Folgen, die der mediale Wandel innerhalb des Editionsprozesses – Transkription, Faksimilierung, Digitalisierung – für die ästhetische Erfahrung zeitigt; objektiv begründet ist sie durch die Relevanz der nicht-signifikativen Dimension von Kunst für einen neuen, nicht-objektivistischen Werkbegriff, der auch jene Rahmungen des Werks (materielle Aspekte ebenso wie Präsentationsmodi) zu berücksichtigen versucht, die nicht Teil der Werkgestalt, von dieser aber auch nicht gänzlich zu scheiden sind. Geht es in der Literatur um die Erscheinungsqualität der Wörter und Sätze selbst, so in anderen Disziplinen um das Erscheinenlassen von Bewegungsabläufen, Klängen und Geräuschen, Linien etc. Zwar haben sich auch in anderen Künsten und Medien längst editionsrelevante Notationspraktiken entwickelt, doch fehlt hier noch weitestgehend die Einbettung in einen editionstheoretischen Kontext.
Das Projekt einer Ästhetik der Edition wendet sich also jenen dominanten Editionskonzepten und ihren Logiken des Einschlusses bedeutungskonstitutiver Parameter und programmatischen Ausschlusses vermeintlich ‚bloß‘ ästhetischer Phänomene zu, die aber gleichwohl die Arbeit des Editors mitbestimmen. Skizziert werden sollen Möglichkeiten und Verfahrensweisen einer neuen Editorik, die eben jenen bislang als randständig geltenden performativen, affektiven und prozessualen Dimensionen Rechnung tragen. Anknüpfend an Befunde über die zunehmende Spannung zwischen Textkritik und interpretativer Auslegung in den Philologien soll geprüft werden, ob sich diese Relation in anderen Künsten und Medien ähnlich darstellt bzw. inwieweit die besonderen Traditionen der literarischen Editorik auf andere Künste und Medien übertragbar sind. Die Hypothese lautet, dass sich in der Geschichte der diversen Künste und ihrer wissenschaftlichen Betrachtung die Gewichte immer deutlicher hin zur Kunst der Interpretation verschoben haben. Das erklärte Ziel ist es, das Verhältnis zwischen dieser „weichen“ Philologie und ihrer „harten“ Schwester Editionswissenschaft zu moderieren.
Unterprojekt 2: Eine Poetik des Abfalls.
Die (Nicht-)Literatur der deutschen Beat- und Pop-Generation
(bearbeitet von Dr. Dirck Linck)
Das literaturgeschichtliche Unterprojekt untersucht exemplarisch literarische Dementis ästhetischer Erfahrbarkeit bzw. deren paradoxal angelegte Rettungsversuche. Die im Spannungsfeld zwischen Dokumentierung und Resemantisierung vorgefundenen Materials entstehenden Texte der deutschen Beat- und Popliteratur der 60er und frühen 70er Jahre sind nicht auf ihr Gelingen als Kunst hin angelegt: US-amerikanischen Formmustern folgend erscheinen sie häufig als an den Werthierarchien des Schönen desinteressierte Präsentationen disparater Fundstücke. Das Projekt wendet sich dieser präsentativen Ästhetik zu und erforscht typische Darstellungsformen deutschsprachiger Pop-Literatur („Standfotos“, „Wortfilme“, „Hörtexte“, „Litaneien“, „Langgedichte“, „Cut-ups“, „Paste-ups“, „Fold-ins“ etc.) und die Produktionsweisen („expanded media“, Medienwechsel, „spontane Schreibweise“, Gruppenarbeit etc.) des Pop als Ausweichbewegung mit der Richtung auf Materialien, die dem „Abfall“ des Alltags entnommen sind: Sozio- und Psychosemiotik des Alltags, Sexualität, Freizeitkultur, Zeichen- und Kommunikationssysteme, Warenwelt etc. Ziel ist es, aus der jeweils spezifischen Zuordnung von „armer“ Form und (re-)präsentiertem „marginalem“ Stoff Kriterien für eine adäquate Beschreibung von intermedialen und interkulturellen Texten zu gewinnen, denen die Reflexion auf zeitgenössische Möglichkeiten immanent ist, ästhetische Erfahrung noch darzustellen und zu bewirken. Die konzeptuellen Überlegungen und die bildhaften Symbolformen des Pop sollen in ihren wahrnehmungsbezogenen Funktionen beschrieben werden, als Versuche einer ästhetischen Bewältigung der Schwierigkeiten, die der ästhetischen Erfahrung aus der spezifischen Semantik des Alltäglichen (Wiederholten, Gewöhnlichen, Gewohnten, Gegebenen) erwachsen. Die Metapher des „Abfalls“ bündelt Bedeutungen der Intentionen und Verfahren des Pop, der als Beitrag der modernen Literatur zu einer Poetik der Materialien und Themen untersucht wird, die die Ambiguität zwischen dem Ästhetischen und Nicht-Ästhetischen ins Bewusstsein rückt und zugleich die Semiotik der Kunst zu einer Neubestimmung des Ästhetischen veranlasst. Die analytische Entfaltung der Abfall-Metapher ist der Versuch, Beat- und Popliteratur zum einen als Texte zu beschreiben, die sich ästhetischen Erfahrungen mit den Materialien der Alltagskultur verdanken, zum anderen als Formen zu untersuchen, die ästhetische Erfahrungen ermöglichen und begründen sollen, welche den Zugang der Rezipienten zu dieser Alltagskultur und zur Institution Kunst zu verändern vermögen.