Sonderforschungsbereich 626 - Ästhetische Erfahrung im Zeichen der Entgrenzung der Künste


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Home » Forschungsprojekte » Teilprojekt B1



 

b1

 

Leitung

Prof. Dr. Joachim Küpper

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Dr. Philipp Jeserich / PhD Jobst Welge

 

Projektbeschreibung

Die Problemstellung des Teilprojekts betrifft die Spezifik der ästhetischen Erfahrung im Fall des Wortkunstwerks. Zum einen geht es hierbei um das Problem der kunst-internen Spezifik der Literatur, d. h. um Aspekte des Künstevergleichs, einschließlich des Problems der Hybriden. Zum zweiten geht es darum, die Spezifik des Wortkunstwerks in Relation zu nicht-literarischen affinen Textsorten (Autobiographien, philosophische Texte, politisch-ethnographische Texte, essayistische und dokumentarische Texte) besser fassen zu können. Dabei sollen drei Fragenkomplexe bearbeitet werden. Zum ersten: Welche Strategien des Sprechens über ästhetische Erfahrung von Kunstwerken lassen sich in pragmatischen Texten einerseits, de-pragmatisierten (literarischen) Texten andererseits ausmachen? Zum zweiten: Gibt es in den Texten der einen und der anderen Art Spezifika oder Nivellierungstendenzen im Sprechen über verschiedene Künste (Musik, bildende Kunst und Literatur)? Zum dritten: Wenn man davon ausgeht, daß literarische Texte über Kunsterfahrung ein eigenes ästhetisches Erfahrungspotential enthalten, welcher Art ist die Erfahrung, die sie mit Blick auf den lesenden Rezipienten ermöglichen? In diesem Zusammenhang sollen auch die Probleme und Möglichkeiten der Transposition der Erfahrung eines Typs von Kunstwerk (Musik und Bildende Kunst) in einen anderen Artefakttyp, d.h. einen literarischen bzw. nicht-literarischen Text, behandelt werden.

 

Unterprojekt 1: Versprachlichung der Erfahrung von Musik; Illusion; reines Gefallen

(bearbeitet von Prof. Dr. Joachim Küpper)

In Fortführung eines Teilbereichs der Befassungin der ersten Antragsphase soll der Blick in der zweiten Phase auf das Sprechen über das – in seiner Semantizität – kontroverse Phänomen der Musik gerichtet werden. Dabei soll auf zwei Textquellen zurückgegriffen werden: Was die Sparte der pragmatisch funktionalisierten Texte betrifft, sind die Gattungen Konzertführer, Programmheft und (Zeitungs-)Kritik zu untersuchen. Was die ästhetisch funktionalisierten Texte betrifft, steht die narrative Literatur des 19. und des 20. Jahrhunderts im Mittelpunkt (de Stael, Huysmans, Proust, Th. Mann). Die dabei zu verfolgenden Fragen gliedern sich in zwei Komplexe. Zum einen geht es um das Problem der Kommunikabilität von ästhetischer Erfahrung, damit auch um deren gegebene oder nicht gegebene transsubjektive Dimension. Der zweite Komplex betrifft die Gemeinsamkeiten, v. a. aber die Unterschiede der Thematisierung von Musik in den oben des näheren genannten Textsorten. Insbesondere stellt sich die Frage, ob in dem de-pragmatisierten, ästhetischen Genre des Romans in einer objektivierbar anderen Weise über Phänomene von Musik geredet wird als in den entsprechenden Gebrauchstexten. In diesem Unterprojekt ist zudem in enger Kooperation mit dem Teilprojekt B3 (Koch) ein Beitrag zur Relation von Illusion, Ironie und ästhetischer Wirkung geplant.

 

Unterprojekt 2: Versprachlichung der Erfahrung von Literatur

(bearbeitet von Dr. Philipp Jeserich)

Ziel des Unterprojekts in der zweiten Antragsphase ist eine Analyse des Sprechens von und über ästhetische Erfahrung von Literatur in literaturtheoretischen Texten einerseits, und in literarischen Texten andererseits. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Strategien bei der Kommunikation ästhetischer Erfahrung von Literatur in nicht-literarischen sowie literarischen Texten ausgemacht werden können; es geht dabei weniger um die Frage, was als ästhetische Erfahrung klassifiziert, sondern vielmehr darum, wie ästhetische Erfahrung von Literatur verhandelt und sprachlich dargestellt wird. Zunächst werden markante Konzepte zur ästhetischen Erfahrung von literarischen Werken aus dem Bereich der Literaturtheorie des 20. Jahrhunderts als Untersuchungsgegenstand dienen (Roman Ingarden, Hans Robert Jauß, Wolfgang Iser und Karlheinz Stierle). Komplementär dazu werden in einem zweiten Schritt die dabei gewonnenen Beobachtungen mit ausgewählten literarischen Werken, die explizit ästhetische Erfahrungen mit Literatur thematisieren, verglichen und kontrastiert. Die Antragstellerin wird dabei wiederum auf Arbeiten des 20. Jahrhunderts, vornehmlich Autobiographien zurückgreifen, da Schriftsteller bei der Darstellung ihrer Lebensgeschichte häufig intensiv auf ihr ästhetisches Erleben von literarischen Werken anderer Autoren eingehen.

 

Unterprojekt 3: Sprechen über Bildende Kunst und Nation

(bearbeitet von PhD Jobst Welge)

Das Unterprojekt widmet sich v. a. dem Thema der externen Funktionalisierungen des Ästhetischen. Insbesondere wird der Frage nachgegangen, wie in Texten seit der europäischen Romantik der Diskurs über Kunst und Kunsterfahrung literarische Subjektivität im Verbund mit der Repräsentation von nationaler ‚Identität‘ formt. Im Mittelpunkt werden dabei Texte von Madame de Staël (Corinne; De l'Allemagne), Goethe (Italienische Reise) und H. Heine (Französische Maler) stehen, da hier der Diskurs über Kunst (Bildende Kunst, Musik, Literatur) Teil der literarischen Beschreibung der Erfahrung und ‚Bewertung‘ der ‚Nation‘ Italien ist. Ausgangspunkt ist ein scheinbares Paradox: ästhetische Autonomie vs. nationale Kontextgebundenheit und gesellschaftlich-moralische Funktion. Dabei stellt sich die Frage, wie das Erleben und das Beschreiben von Kunstwerken zum Bild eines ‚fremden‘ Nationalcharakters, sowie zur eigenen Selbstkonstitution beiträgt Eine gesonderte Untersuchung wird sich der Rolle von italienischer Musik/Oper im Werk des brasilianischen Schriftstellers Machado de Assis widmen, da hier die gemeinschaftsstiftende Rolle von Musik ebenfalls mit der Nationalitätsproblematik verknüpft wird.


 

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Stand: 03.02.2009

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