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Valie Export: Unsichtbare Gegner, 1976
Leitung
Wissenschaftliche MitarbeiterInnen
Dr. Volker Pantenburg / Simon Rothöhler, M.A. / Dr. Christiane Voss
Christiane Voss wird im Wintersemester 2009/2010 und Sommersemester 2010 vertreten von:
Lisa Åkervall: lisaakervall@gmail.com
Chris Tedjasukmana: c.tedjasukmana@fu-berlin.de
Studentische Hilfskräfte
Lukas Foerster / Nikolaus Perneczky
Projektbeschreibung
In diesem Teilprojekt (TP) werden Begriff und Relevanz der Illusionsbildung für die nachmoderne Ästhetik unter philosophischen und filmtheoretischen Gesichtspunkten einer interdisziplinären Analyse unterzogen. Leitender Gedanke ist dabei der, dass sich Illusionsbildung nach wie vor als unabdingbar für die ästhetische Erfahrung generell und die des Films im Besonderen erweist. Unter dem Gesichtspunkt einer Erfahrungsästhetik konnte als Befund der ersten Antragsphase für die These argumentiert werden; dass insbesondere die filmische Illusionsbildung auf komplexen sensomotorischen Affizierungen sowie ergänzenden Projektionen des Zuschauers basiert; die zugleich ästhetisch ausschlaggebend sind. Auf diesem rezeptionsästhetischen Befund baut die Weiterführung des TP in der zweiten Antragsphase auf, wobei nun die filmischen Fiktions- und Weltbildungsprozesse ins Zentrum gerückt werden. Damit verknüpft sich die Frage nach dem illusionistischen „Wie“ der ästhetischen Erfahrung mit dem fiktionalen „Was“ derselben. Dazu sind zwei Unterprojekte vorgesehen: UP1 fasst vor dem Hintergrund der Auseinandersetzung mit der philosophischen Tradition zur „ästhetischen Erfahrung“ sowie aktuellen Ansätzen innerhalb der zeitgenössischen Filmtheorie die Fiktionsbildung in narrativen Verfahren des Dokumentar- und Spielfilms rezeptionsästhetisch. UP2 befragt die Konsequenzen der medialen Entgrenzung des Kino-Dispositivs in Bezug auf dessen Bruch oder Anbindung an die Illusionsästhetik.
Unterprojekt 1: Illusion und Fiktion im narrativen Film
(bearbeitet von Prof. Dr. Gertrud Koch und Dr. Christiane Voss)
In der Anwendung auf das zeitbasierte Medium Film wird ‚Fiktion’ als ein Zusammenspiel von a) Gestaltungsakten (Schnitt, Inszenierung, etc.), b) der Emergenz von Irrealem (Diegese) sowie c) sozialen und phänomenalen Dimensionen der Rezeption (Kritik, Wahrnehmung) in den Blick genommen. Geprüft wird dabei die übergeordnete Hypothese, inwiefern das ästhetisch Fiktive gerade aufgrund seiner impliziten Problematisierung von Referenz den ansonsten instrumentellen Charakter des Zeichen- und Bildgebrauchs unterläuft, und aufgrund der Setzung einer lebendigen ‚Welthaftigkeit’ eigenen Rechts ein geradezu privilegierter Träger des Ästhetischen zu sein vermag. Zu fragen ist in diesem Kontext weiterhin, inwieweit die ästhetische Fiktionalisierung, (erstens) selbst eine Form von affektgesteuerter Gegenstandskonstitution darstellt, die (zweitens) auch von einer spezifisch narrativen Strukturierung des Materials abhängig ist. Anknüpfend an die aktuelle Forschung zum ästhetischen/fiktionalen (Film-)Erleben sowie Vorarbeiten zur narrativen Struktur der Emotionen gilt es zu zeigen, dass und inwiefern gerade im Narrationsbegriff die Aspekte der Semiotizität und der häufig gegen diese in Stellung gebrachten Körperlichkeit in der ästhetischen Rezeption zusammen laufen.
Unterprojekt 2: Post-Cinema? Entgrenzungen des Films
(bearbeitet von Dr. Volker Pantenburg und Simon Rothöhler, M.A.)
Filmtheoretische Analysen der „post-kinematographischen“ Konstellation plausibilisieren ihre Rhetorik des Bruchs in der Regel mit dem Hinweis auf eine doppelte Abtrennung des Films: (1) von seinem historisch gewachsenen Aufführungsdispositiv (Kinoraum, Projektion, Herstellung einer spezifischen Öffentlichkeit mit einem definierten Set sozialer Praktiken und Rituale); (2) von seinem photographischen Trägermaterial (Zelluloid, indexikalische Bildgebung). Das zeitgenössische „Cinema without Walls“ ist demnach nicht zuletzt das Produkt einer Entgrenzungsbewegung, die auf unterschiedlichen Ebenen die privilegierte Bedeutung der Institution ‚Kino’ für den audiovisuellen Komplex ‚Film’ unterminiert hat. Dieser Entwicklung entspricht eine Ausdifferenzierung der Erfahrungsformen des Filmischen, das sich einerseits in multimedialen Abspielfenstern reorganisiert (Video-iPod, Computer, Handy, Heimkino) und das andererseits zunehmend mit einer Vielzahl nicht-filmischer Waren paratextuell verschaltet wird. Beide Prozesse haben den Film als „self contained commodity“ (seine Warenform am Ende der Early Cinema Periode) aufgelöst und ihn sukzessive in eine wesentlich weniger stabile „intertextual commodity“ transformiert.
Zwischen multiplen Screens und einer ökonomisch wie sozial rekonfigurierten Rezeption, aber auch zwischen den zahlreichen projizierten Bildern in Museen und Galerien stellt sich die Frage nach dem Status der Verschiebungen und Vervielfältigungen des kinematographischen Dispositivs und der qualitativen Neuheit damit verbundener ästhetischer Praktiken. Zugleich müssen in die Analyse der so verstandenen „Post-Kinematographie“ Relativierungen eingeführt und Kontinuitäten betont werden. Diese betreffen z.B. die generelle Fragwürdigkeit eines ontologischen Bruchs zwischen photographischem und digitalem Filmbild. Das UP2 wird die Pole und Dimensionen der Diversifizierung des Kino-Dispositivs sortieren und ausgehend von Objekten aus den Bereichen des (installativen) Kunstfilms und des kontemporären Blockbusters untersuchen, auf welche Weise konkrete filmische Praktiken diese transformativen Aspekte ästhetisch produktiv machen.
