Sonderforschungsbereich 626 - Ästhetische Erfahrung im Zeichen der Entgrenzung der Künste


Springe direkt zu: Inhalt


Service-Navigation


Hauptnavigation/Hauptmenü: Links auf direkt erreichbare, übergeordnete Webseiten


Grafischer Identitätsbereich:


Weitere Service-Funktionen


Navigation/Menü: Links auf weitere Seiten dieser Website und Banner


Navigationspfad:

Home » Forschungsprojekte » Teilprojekt B6



 

b6

William Forsythe und Peter Welz: Retranslation / Final Un-
finished Portrait (Francis Bacon), Choreographische Multi-
media-Installation, 2005
 

Leitung

Prof. Dr. Gabriele Brandstetter

Wissenschaftliche MitarbeiterInnen

Dr. Franck Hofmann / Kirsten Maar, M.A. / Dr. Isa Wortelkamp

Studentische Hilfskräfte

Mariama Diagne / Corinna Spieth

 

Projektbeschreibung

Ziel des Projektes ist es, Topographien – als Choreographie, Architektur, Literatur – von der Bewegung her zu betrachten: in der Spannung von Statik und Dynamik, und im Blick auf jene Aspekte des Transitorischen und des Ephemeren, die im Prozess der (ästhetischen) Erfahrung stattfinden. Gegenstand der Untersuchung sind deshalb nicht in erster Linie einzelne „Werke“, sondern vielmehr jene Prozesse und Diskurse der Entgrenzung, die die jeweilige Objekthaftigkeit zur Auflösung bringen: die Modi des Entwerfens, der Übertragung zwischen Schrift/Notat bzw. Grund/Riss/Karte und Bewegung/Handlung.

Im Zentrum der Untersuchungen stehen mithin die Konzepte und Praktiken einer Über-Tragung, die vermitteln zwischen künstlerischem Produktionsprozess und ästhetischem Objekt einerseits und den Prozessen ästhetischer Erfahrung andererseits. Damit soll zugleich ein zentraler (und bislang wenig beachteter) Aspekt ästhetischer Erfahrung reflektiert werden: Ästhetische Erfahrung des Flüchtigen korrespondiert zugleich mit der Flüchtigkeit ästhetischer Erfahrung. Das Projekt untersucht, im Kontextrahmen des Gesamtprojekts, in welcher Weise ästhetische Erfahrung als bewegte und bewegliche Sinn(en)-Erfahrung zu beschreiben ist: als kinästhetische Erfahrung. Dabei sollen jene responsiven Konstellationen in den Blick genommen werden, jene durch Bewegung gekennzeichneten Muster und Prozesse, Praktiken und Konzepte, die die Beziehung zwischen ästhetischem Objekt und wahrnehmendem, erfahrendem Subjekt regulieren und deregulieren: der architektonische Entwurf; die choreographische Notation (bzw. die „Choreographie“ als Raumschrift) und die sprachliche bzw. metaphorische Topologie in der Literatur.

 

Unterprojekt 1: Kontingenz im modernen und zeitgenössischen Tanz

(bearbeitet von  Prof. Dr. Gabriele Brandstetter)

Gegenstand des Projekts ist die Untersuchung des Umgangs mit Kontingenz im Tanz des 20. Jahrhunderts. Dabei soll an ausgewählten Beispielen die Arbeit mit Zufall, Aleatorik, improvisatorischen „Techniken“ in der choreographischen Komposition betrachtet werden, begleitet von der Frage, ob und in welcher Weise sich diese nach einem vorgegebenen Regelkonzept mithilfe des Zufalls produzierten Prozesse des Entwerfens auf die ästhetische Erfahrung auswirken. Zu fragen ist auch, in welcher Weise eine für Tanz und Choreographie spezifische Form der Zufalls-basierten Komposition beschreibbar ist, und ob und wo es Einflüsse, Analogien und Differenzen zu ähnlichen Praktiken in der Literatur (etwa der écriture automatique), der Musik (aleatorische Konzepte, musique concrète) und der Performance-Kunst (z. B. Fluxus) gibt. Für den ersten Projektabschnitt soll eine Fokussierung gewählt werden, die zugleich eine Verknüpfung mit den anderen Unterprojekten herstellt und das Rahmenkonzept des Vorhabens in spezifischer Weise ausleuchtet: Dies soll geschehen, indem die Frage nach choreographischen Zufallsoperationen mit einer Untersuchung über die Bedeutung des „Gehens“ im modernen Tanz gekoppelt wird.

 

Unterprojekt 2: Prozesse des Entwerfens in Choreographie und Architektur

(bearbeitet von Kirsten Maar, M.A.)

Untersucht werden Korrespondenzen zwischen choreographischen Verfahren und Konzepten des Entwerfens in der Architekturtheorie. Choreographie und Architektur bestimmen in ihren unterschiedlichen Ausformungen unsere Handlungen und Bewegungen und konfigurieren sie entsprechend bestimmter formaler, politischer und ästhetischer Vorgaben. Architektur als Choreographie zu lesen – oder Choreographie als Architektur  in Bewegung zu deuten, können daher als zwei sich ergänzende Seiten einer Sache verstanden werden, die ein bestimmtes Feld der Produktion sowie auch der ästhetischen Erfahrung, als sich gegenseitig bedingend, eröffnen. Am Beispiel der choreographischen Arbeiten von William Forsythe soll das von Rudolf von Laban stammende Konzept der Kinesphäre im Blick auf architekturtheoretische Konzepte von R. Buckminster Fuller bis hin zu Diller & Scofidio neu gedeutet werden.

 

Unterprojekt 3: Zwischen Choreographie und Architektur.
Zur ästhetischen Erfahrung von Bewegung im architektonischen Raum

(bearbeitet von Dr. Isa Wortelkamp)

Das vorliegende Projekt widmet sich dem Wechselverhältnis von Choreographie und Architektur im Hinblick auf ästhetische Erfahrung von Bewegung. In der Rhythmisierung und Strukturierung von Bewegung und der Mobilisation und Motivation der Körpers wird Architektur als choreographisches Verfahren betrachtet. Ausgegangen wird von einer in der Architektur latenten Choreographie, die in und durch Bewegung aktualisiert und transformiert zu einem ephemeren und performativen Prozess von Choreographie wird. Dabei zeigt sich jene Konstellation der Choreographien – als in Latenz aufgehobene und im Prozess realisierte – in historisch und medial veränderter Weise, die zu untersuchen ein Ziel dieser Forschungsarbeit ist. Beide miteinander verbundenen choreographischen Dimensionen von Architektur werden anhand folgender Bereiche in den Blick genommen: Architektur der Avantgarde und Postmoderne, Alltags- und Tanz-Bewegung im architektonischen Raum, Schrift und Zeichnung von Choreographie und Architektur.

 

Unterprojekt 4: Bewegte Natur – flüchtige Erfahrung. Mobilisierung von Literatur
bei Herder und in der Kunstliteratur des 18. Jahrhunderts

(bearbeitet von Dr. Franck Hofmann)

Das Projekt geht von der Beobachtung einer fortwährenden Aktualität von Positionen der Ästhetik des 18. Jahrhunderts für gegenwärtige Neuvermessungen des Feldes ästhetischer Theorie und Praxis aus und fragt nach Einsatzpunkten für diese in den Schriften Herders und der ihm zeitgenössischen Kunstliteratur. Ziel ist es, eine Spezifik ästhetischer Erfahrung im Zeichen von Bewegungsdimensionen herauszuarbeiten und eine diesen verbundene Mobilisierung von Literatur zu charakterisieren, die deren Darstellungsstrategien transformiert und ihren epistemischen Ort modifiziert. Dabei wird zu fragen sein, wie das Verhältnis von Bewegung im Raum zu Architektur bzw. von Bewegung in Natur zu Landschaft zu beschreiben ist, und wie beide sich zu Formen und Praktiken einer Literatur verhalten, die in und aus Bewegung heraus geschrieben wird, selbst als eine Art Bewegungsnotation gelesen werden kann, die an die Grenze sprachlichen Ausdrucks und begrifflicher Reflexion führt.


 

© 2007  Sonderforschungsbereich 626 |  Feedback  |
Stand: 08.12.2009

Diese Grafiken werden nur in der Druckvorschau verwendet: