Navigation/Menü: Links auf weitere Seiten dieser Website und Banner
Filmstill aus: Jean-Luc Godard: Les Carabiniers, Frankreich 1963
Leitung
Wissenschaftliche MitarbeiterInnen
Ilka Brombach, M.A. / Dr. Bernhard Groß / Dr. Daniel Illger / Dr. Anja Streiter
Studentische Hilfskräfte
Matthias Grotkopp / Christian Lippe
Projektbeschreibung
Am Anfang des westeuropäischen Kinos (1945-1990) steht die Erwartung, dass im Medium Film ein ästhetischer Erfahrungsmodus greifbar ist, der unter der Voraussetzung gesellschaftlicher Desintegration eine neue politische Kultur ermöglicht; am Ende, im wieder geeinten Europa, stehen Filme im Zeichen einer "Politik des Ästhetischen", in denen sich eben diese Erwartung an das Kino erneut artikuliert. Das Projekt geht der Frage nach, welches Verständnis ästhetischer Erfahrung des Films sich im Diskurs des westeuropäischen Kinos herausgebildet hat und in welchem Sinne diese Erfahrung als politische begriffen wurde.
Das Teilprojekt untersucht die historischen Ausprägungen unterschiedlicher Konzepte eines ästhetischen Erfahrungsmodus des Kinos. Die Frage nach der „Politik des Ästhetischen“ fungiert dabei als heuristische Perspektivierung des Untersuchungsgegenstands. Sie setzt voraus, dass die Poetiken einzelner Filme und Genres als historisch spezifische Reflexion der Erfahrungsform kinematografischer Bilder auf den Begriff zu bringen und an ihrem Bezug zum Politischen zu unterscheiden sind. Aus dieser Warte bietet sich das „westeuropäische Nachkriegskino“ als exemplarisches historisches Gegenstandsfeld an. Dieses Feld lässt sich einerseits durch den Bruch mit den avantgardistischen Konzepten ästhetischer Erfahrung des europäischen Vorkriegskinos, andererseits durch die Auseinandersetzung mit neuen medialen Praktiken gesellschaftlicher Integration bestimmen, in denen die Relationen zwischen ästhetischer und politischer Erfahrungswelt in den Mittelpunkt rücken: die Auseinandersetzung mit der Unterhaltungskultur US-amerikanischer Prägung.
Unterprojekt 1: Das französische Autorenkino nach 1968 und die Frage
der Gemeinschaft in der zeitgenössischen französischen Philosophie
(bearbeitet von Dr. Anja Streiter)
Das Unterprojekt 1 untersucht die Auseinandersetzung, die das französische Kino der Nach-Nouvelle Vague (u.a. Breillat, Chéreau, Denis, Garrel, Jacquot, Dépardon, Techiné) in Wechselbeziehung mit der französischen Philosophie um die Frage der "Gemeinschaft" führt. These ist, dass sich seit den 70er Jahren sowohl in der Debatte darum, wie Gemeinschaft zu denken sei (u.a. Nancy, Rancière), als auch im Autorenkino nach der Novelle Vague eine grundlegende Revision der Konzepte des Politischen und des Ästhetischen artikuliert, die auf den Zusammenbruch universeller Systeme der Gesellschaftsbegründung nach dem Mai 68 antwortet.
Unterprojekt 2: Das deutsche Autorenkino und die „Politik der Form“.
Das Erkenntnispotential ästhetischer Erfahrung
und der Erfahrungshorizont des Individuums
(bearbeitet von Ilka Brombach, M.A. und Prof. Dr. Hermann Kappelhoff)
Das Unterprojekt 2 entwickelt exemplarisch am deutschen Essayfilm (Kluge, Bitomsky, Farocki) ein filmästhetisches Konzept, das die Erfahrungsform „Kino“ als kritische Instanz zwischen totalitärer Medienpolitik und permissiver Unterhaltungsindustrie entwirft. In dieser Perspektive wird die ästhetische Erfahrungsform des Kinos als Möglichkeit der Wahrnehmung einer sozialen Realität verstanden, die in den Bildwelten der Massenmedien aufgehoben ist und durch sie zugleich verdeckt wird. Auf dieser Grundlage soll schließlich die ästhetische Disposition des westdeutschen Autorenfilms (Wenders, Fassbinder, Herzog, u.a.) erarbeitet werden.
Unterprojekt 3: Die ästhetische Disposition des westeuropäischen Kinos
nach dem Zweiten Weltkrieg
(bearbeitet von Dr. Bernhard Groß und Dr. Daniel Illger)
Das Unterprojekt 3 untersucht die ästhetische Disposition des westeuropäischen Nachkriegskinos vor dem Hintergrund der Erfahrung totalitärer Medienpolitiken. Es fragt v.a. nach dem Stellenwert, den die Kritik der traditionellen wie der avantgardistischen Autonomiekonzepte und die Neuorientierung am US-amerikanischen Genrekino für die Herausbildung einer neuen filmischen Poetik hatten. Ausgangspunkt sind die Filme des italienischen Neorealismus, in denen das westeuropäische Kino des ersten Nachkriegsjahrzehnts eine Leitidee fand. Im Mittelpunkt dieser Leitidee stand das Ideal, das Soziale anschaulich werden zu lassen.
