Sonderforschungsbereich 626 - Ästhetische Erfahrung im Zeichen der Entgrenzung der Künste


Springe direkt zu: Inhalt


Service-Navigation


Hauptnavigation/Hauptmenü: Links auf direkt erreichbare, übergeordnete Webseiten


Grafischer Identitätsbereich:


Weitere Service-Funktionen


Navigation/Menü: Links auf weitere Seiten dieser Website und Banner


Navigationspfad:

Home » Forschungsprojekte » Teilprojekt C13



c13

Aus Saul Steinberg, The Inspector, 1965.

 

Leitung

Prof. Dr. Georg W. Bertram

Wissenschaftliche MitarbeiterInnen

Dr. Daniel Martin Feige / Dr. Frank Ruda

Studentische Hilfskraft

Anjo Perplies

 

Projektbeschreibung

Ästhetischen Erfahrungen sind in der Tradition der philosophischen Ästhetik stets reflexive Momente zugesprochen worden. Das Teilprojekt fragt danach, inwiefern diese konstitutiv mit reflexiven Strukturen verbunden sind, die in den – sinnlich und symbolisch verfassten – Medien dieser Erfahrungen angelegt sind. Ziel ist es, die internen und externen Grenzen und Entgrenzungsformen der Künste als wesentlich durch medien- und praxisspezifische Formen von Reflexivität bestimmt begreiflich zu machen. Hierzu soll die Ausbildung reflexiver Formen sowohl der sinnlichen als auch der symbolischen Aspekte dieser Medien in ästhetischen Praktiken untersucht werden.

Ästhetische Reflexivität – also Prozesse und Strukturen des Selbstbezugs und der Distanznahme in der ästhetischen Hinwendung zu Gegenständen – wurde traditionell vor allem in den Subjekten ästhetischer Erfahrungen verortet. Auf letztere hat sich daher die philosophische Ästhetik weithin konzentriert. Es ist aber fraglich, ob die ästhetische Reflexivität tatsächlich angemessen verstanden werden kann, ohne zugleich die Struktur der Gegenstände und der symbolischen Medien zu beachten, an und in denen sich ästhetische Erfahrungen vollziehen. In vielen literarischen und poetischen Texten etwa erfährt Sprache selbst eine komplexe Neustrukturierung; Werke der bildenden Kunst variieren einzelne Motive in vielfältiger Art und Weise; Kompositionen stellen Töne und Klangstrukturen auf neue Weisen aus und lassen sie dadurch fremdartig werden: An solchen Beispielen wird rasch deutlich, dass ästhetische Reflexivität nicht allein im Subjekt angesiedelt ist, sondern dass Formen der Selbstbezüglichkeit und der Distanzierung auch für die Gegenstände ästhetischer Praktiken selbst charakteristisch sind. In konkreten Werk-Interpretationen wurden sie ihnen daher auch stets zugeschrieben. Dem Teilprojekt geht es um die Klärung grundlegender reflexiver Formen in den Gegenständen ästhetischer Erfahrungen, die der Reflexivität dieser Erfahrungen korrespondieren.

Dabei beschränkt die Projektarbeit sich auf die symbolischen Medien Bild, Musik und Sprache und ist an zwei Hypothesen orientiert: Ästhetische Erfahrungen hängen, so die erste Hypothese, wesentlich mit charakteristischen reflexiven Formen von Medien zusammen, die in bestimmten Praktiken konstituiert sind. Dabei lassen sich, so die zweite Hypothese, primär sinnlich-materiale von primär symbolischen Formen der Reflexivität unterscheiden. Ästhetische Erfahrungen konstituieren sich im Zusammenspiel dieser beiden unterschiedlichen Formen von Reflexivität, sind aber möglicherweise auch ihrerseits konstitutiv für sie. Das Teilprojekt zielt darauf, diese Zusammenhänge begrifflich zu erhellen und dabei sowohl die Eigenart des Ästhetischen als auch das Spezifische der Kunst in den weiteren Zusammenhang einer Theorie medial basierter reflexiver Praktiken zu stellen. Damit sollen diese Phänomene für die einzelnen Kunstwissenschaften wie auch für die Philosophie selbst auf neue Weise begreifbar und theoretisch anschlussfähig werden. Zudem sollen die Ergebnisse dieser Untersuchungen einen Ansatz für die Explikation von Differenzierungs- wie Entgrenzungsprozessen innerhalb der Künste sowie zwischen Kunst und Nicht-Kunst bereitstellen. Mit der Unterscheidung zwischen primär sinnlich und primär symbolisch orientierten Vollzugsformen ästhetischer Reflexivität ergibt sich eine Aufteilung der Arbeit in ein wahrnehmungstheoretisch und ein symboltheoretisch ansetzendes Unterprojekt. In Auseinandersetzung mit einschlägigen Positionen der Philosophie und Kunsttheorie sollen in den beiden Unterprojekten jeweils die Eigenheiten der betrachteten reflexiven Formen sowie schließlich, durch eine Kooperation der Unterprojekte, ihr irreduzibles Zusammenspiel untersucht werden.

Unterprojekt 1: Sinnliche Reflexivität in ästhetischen Erfahrungen

(bearbeitet von Dr. Frank Ruda)

Ziel von Unterprojekt 1 ist es, Formen der sinnlichen Reflexivität in ästhetischen Erfahrungen begreiflich zu machen. Ästhetische Erfahrungen sind durch eine gesteigerte Aufmerksamkeit auf sinnlich erfassbare Materialität gekennzeichnet – wie etwa den Klang von Wörtern, die spezielle Farbdramaturgie und Textur von Bildern, die Raum-Bezogenheit von Körperbewegungen und vieles andere mehr. Diese gesteigerte Aufmerksamkeit innerhalb ästhetischer Erfahrensformen erklärt sich über ihren reflexiven Gebrauch sinnlicher Materialität, der unter anderem darin liegt, dass spezifische künstlerische Verfahren – wie zum Beispiel Strukturbrüche und Dissonanzen – den eigenen materialen Herstellungsprozess thematisieren und so die eigene materiale Verfasstheit hervorheben. Um solche reflexiven Formen begreiflich zu machen, sollen von einem wahrnehmungstheoretischen Ansatz aus drei Themenfelder bearbeitet werden: Erstens ist zu klären, inwiefern man davon sprechen kann, dass sinnlich-materiale Momente (wie Farben, Klänge, Phoneme etc.) in Wahrnehmungsvollzügen in reflexiver Funktion auftreten. Zweitens kann von dieser grundsätzlichen Überlegung aus gefragt werden, ob es spezifisch ästhetische solcher Formen und Vollzüge gibt und worin deren Spezifik besteht. Drittens müssen diese Überlegungen in einen Zusammenhang mit den Überlegungen des Unterprojekts 2 gestellt werden: Inwiefern hängen reflexive Formen sinnlicher Momente in ästhetischen Erfahrungen damit zusammen, dass sich diese Erfahrungen im Umgang mit symbolischen Medien vollziehen, die im Ästhetischen ihrerseits in selbstbezüglicher Weise gebraucht werden?

Unterprojekt 2: Symbolische Reflexivität in ästhetischen Erfahrungen

(bearbeitet von Prof. Dr. Georg Bertram und Dr. Daniel Martin Feige)

Ziel von Unterprojekt 2 ist es zu untersuchen, in welchen Hinsichten ästhetische Praktiken auf reflexiven Formen des Symbolgebrauchs beruhen, und umgekehrt, was Strukturen und Vollzugsformen symbolischer Reflexivität zu spezifisch ästhetischen macht. Ein besonderer Akzent liegt dabei auf der Frage, ob und wie genau solche reflexiven Formen sich in den behandelten Medien – also Bild, Musik und Sprache – signifikant unterscheiden. Zu fragen ist, wo die struktur-logischen Unterschiede und Gemeinsamkeiten der jeweils verwendeten Symbolisationsformen liegen und auf welche Weise der Prozess ihrer semantischen Konstitution und Genese zum Zentrum ästhetischer Reflexion wird. Inwiefern sich auf der Grundlage solcher medialer Differenzen signifikante Unterscheidungen reflexiver Formen treffen lassen, soll in zwei Arbeitsschritten geklärt werden. Erstens ist besagter Vergleich der den verschiedenen Medien jeweils eigenen Formen von Reflexivität zu unternehmen. Zweitens sind die dadurch herausgearbeiteten Formen daraufhin zu untersuchen, ob sie für ästhetische Praktiken spezifisch sind oder ob sie in diesen nur eine besondere Ausprägung gewinnen. Schließlich gilt es, zusammen mit den Ergebnissen aus dem UP 1 zu untersuchen, was symbolische und sinnliche Reflexivität in konkreten ästhetischen Praktiken und ihren symbolischen Medien trennt und worin sie strukturell zusammenhängen.


 

© 2007  Sonderforschungsbereich 626 |  Feedback  |
Stand: 08.12.2009

Diese Grafiken werden nur in der Druckvorschau verwendet: